Online Recruiting mit Hilfe von Recruiting Games

In Zeiten der Digitalisierung wird Online Recruiting mithilfe von Recruiting-Spielen immer beliebter. Für Unternehmen und Bewerber gleichermaßen bietet diese Art des Auswahlverfahrens zahlreiche Vorteile. Was genau Recruiting Games eigentlich sind, welchen Zweck man mit dem Einsatz verfolgt und für welche Bewerber und Unternehmen sie geeignet sind, soll dieser Artikel näher erläutern.

Was sind Recruiting Games?

Bei Recruiting Games handelt es sich um ein spielerisch gestaltetes Bewerbungsverfahren, das meist online stattfinden und Unternehmen bei der Selektion von Bewerbern hilft. Im Gegenzug helfen solche Spiele auch den Bewerbern, herauszufinden, ob eine Stelle für sie geeignet ist oder nicht. Von den üblicherweise durchgeführten Eignungstests unterscheiden sich Recruiting Games insbesondere darin, dass sie wie ein Online-Game gestaltet sind und somit wesentlich zur aktiven Personalbeschaffung beitragen.

Was auf den ersten Blick bei vielen Menschen große Skepsis hervorruft, bringt für Personaler zahlreiche Vorteile mit sich. Online-Spiele zu Recruiting-Zwecken sind so aufgebaut, dass sie umfangreiche Rückschlüsse auf weitere Fähigkeiten der potenziellen Bewerber zulassen, beispielsweise wie Personen im echten Leben in bestimmten Situationen reagieren oder handeln. Ebenso lassen sich Reaktionsgeschwindigkeit und logisches Denken überprüfen. Soziale Skills wie die Teamfähigkeit werden getestet, indem mehrere Spieler zusammen eine Aufgabe bewältigen müssen. Recruiting Games bieten daher eine gute Grundlage, um insbesondere strategische Vorgehensweisen und den Umgang mit ungeplanten Situationen zu testen – Skills also, die vor allem für Führungskräfte besonders wichtig sind. Die Auswertung eines solchen Recruiting-Verfahrens kann sich selbstverständlich nicht ausschließlich auf das Ergebnis des Spiels beschränken, sondern zieht zudem auch weitere Bewerberdaten hinzu, was den Prozess entsprechend umfangreich macht.

Online-Spiele sind wesentlich besser als ihr Ruf!

In der Vergangenheit ließ man sich in öffentlichen Debatten gerne dazu hinreißen, Computerspielen aggressionsfördernde Eigenschaften zu unterstellen, häufig indiziert durch Terroranschläge und Amokläufe. Die Argumentation war jedoch in diesen Situationen vor allem politisch nützlich und wirksam, um von eigentlichen gesellschaftlichen Missständen abzulenken – die Realitätsnähe der Schlussfolgerungen ist daher bis heute höchst umstritten. Tatsächlich fördern und trainieren Videospiele je nach Inhalt und Konzept nachweislich eine Vielzahl kognitiver Fähigkeiten, die Reaktionsgeschwindigkeit und die Gedächtnisleistung und können mitunter auch taktisches und strategisches Denken schulen sowie Wissen vermitteln und damit sogar bildend wirken. Gerade der Aspekt „online“ hat diese Palette um die soziale Komponente erweitert, so dass Spiele inzwischen beim Nutzer auch die Teamfähigkeit und nicht zuletzt Führungskompetenzen aufbauen können. Diese Vorteile rücken immer mehr in den Fokus der Aufmerksamkeit, was den längst etablierten Markt für Onlinespiele weiter befeuert und diesem sogar zunehmend eine wissenschaftlich begründete Daseinsberechtigung beschert.

Welchen Zweck verfolgt man mit Recruiting Games?

In den meisten Fällen kommen Recruiting Games zum Einsatz, um konkrete Fähigkeiten der Bewerber praktisch abzufragen oder zu testen. Das dient in der Regel vor allem dem Zweck, bei einer größeren Menge von Bewerbern weitere Entscheidungskriterien zu schaffen, nach denen man selektieren kann, damit man gerade die zeitintensiven Bewerbungsgespräche nur auf möglichst passende Kandidaten beschränken kann, was Personalern und Bewerbern zugleich Zeit und Mühe erspart.

Online-Games zu Recruiting-Zwecken werden auch eingesetzt, um Bewerber selbst Ziele und Möglichkeiten aufzuzeigen, wohin ihre berufliche Zukunft führen kann. Gerade bei unentschlossenen Bewerbern kann es hilfreich sein, auf spielerischem Weg eine Entscheidung herbeizuführen oder zumindest zu begünstigen. Natürlich verfolgen Unternehmen damit stets einen konkreten wirtschaftlichen Zweck oder eine Recruiting-Strategie, es geht primär nicht darum, Bewerbern einen unabhängigen Service zu bieten, der letztlich nur dem Bewerber hilft. Sollen Recruiting Games Bewerbern also dabei helfen, eine Entscheidung zu finden, so geschieht das eher in Hinblick auf die Wahl zwischen verschiedenen Stellen, die das Unternehmen zu besetzen hat, als um die Frage, welches Berufsbild am besten zum Bewerber passt.

Ein anderer Ansatz ist die Erhebung von Daten, ohne damit einen konkreten Bewerbungsprozess abzubilden. Möchte ein Unternehmen bspw. analysieren, welche Fähigkeiten und Interessen bei einer bestimmten Zielgruppe vorhanden sind oder wie diese sich bestimmten Aufgaben und Herausforderungen stellt, können Recruiting Games als vorbereitende Maßnahme für anschließende Recruiting-Kampagnen nützliche Daten liefern, wie und mit welchen Argumenten man die optimalen Bewerbertypen über Stellenanzeigen richtig anspricht.

Wie werden Recruiting Games angewendet?

Während Eignungstests meistens erst nach einem Bewerbungsgespräch zum Einsatz kommen, werden Recruiting-Spiele in der Regel bereits vorab durchgeführt. Ob man diese Spiele öffentlich zugängig macht und Bewerbern ausspielt, die bislang noch keinen Touchpoint zum Unternehmen hatten, oder einen Kreis bereits bekannter Bewerber gezielt dazu einlädt, ergibt sich aus der konkreten Planung der Recruiting-Kampagne sowie ggf. aus branchenspezifischen Eigenschaften der Zielgruppen oder üblichen Arbeitsinhalten. Tatsächlich sind beide Methoden gängig und kommen regelmäßig zur Anwendung. Auch die Kombination verschiedener Spiele mit unterschiedlichen Schwerpunkten sind hier nicht unüblich, insbesondere wenn man verschiedene Skills in Wechselwirkung oder aufeinander aufbauend ermitteln möchte.

Mit der Durchführung von Recruiting Games möglichst zu Beginn des Bewerbungsprozesses wird eine Selektion ermöglicht, die beiden Seiten den weiteren Weg erleichtert: Das Unternehmen kann dadurch eine Vorauswahl treffen und nur passende Bewerber zum Vorstellungsgespräch einladen. Aber auch Bewerber können von Recruiting-Spielen profitieren, indem sie einen besseren Einblick in das Unternehmen und die ausgeschriebene Stelle erhalten und die Entscheidung, ob das Unternehmen wirklich zu ihnen passt, wesentlich früher treffen können.

Für welche Art Bewerber sind Recruiting Games geeignet?

Grundsätzlich eignen sich solche Spiele vor allem für Bewerbertypen, die bereits über ein gewisses Grundverständnis im Umgang mit dem Internet und bestenfalls auch mit Online-Spielen verfügen. Bewerber, die nicht täglich mit Videospielen Kontakt haben, fällt der Einstieg in der Regel allerdings nicht sonderlich schwer, da diese Spiele sehr simpel und intuitiv gestaltet sind und somit auch für Ungeübte einen guten Zugang bieten. Zudem sind die Bewertungskriterien nicht davon abhängig, wie gut ein Bewerber in einem Spiel abschneidet. Vielmehr wird ausgewertet, wie er eine Aufgabe angeht sowie ob, wie schnell und auf welche Weise er sie lösen kann. Die eigentlichen Punkte macht man also beispielsweise nicht damit, dass man möglichst viele rote Ballons von A nach B sortiert, sondern unterschwellig auf Basis dessen, wie man dabei vorgeht. Konkret werden dabei Fähigkeiten wie der Umgang mit kniffligen Situationen, mentales Durchhaltevermögen, logisches Denken, Teamfähigkeit und Motivation getestet. Vorerfahrungen in Videospielen sind dafür ausdrücklich nicht nötig. Der Bewerber muss nur in der Lage dazu sein, den technischen Ablauf eines solchen Spiels zu verstehen, um seine Fähigkeiten unter Beweis stellen zu können.

Für welche Unternehmen eignen sich Recruiting Games?

Große Unternehmen wie die Lufthansa, die Targobank und die DAK sind bereits dabei, sogar die Bundespolizei hat den Einsatz von Recruiting-Spielen in ihren Auswahlprozess integriert. Diese Unternehmen haben verstanden, dass solche Spiele bei richtiger Anwendung die Bewerberauswahl erleichtern, damit im Zuge des Bewerbungsprozesses Zeit und Kosten einsparen und darüber hinaus das Image des Unternehmens verbessern können. Gerade bei jungen Bewerbern machen sie sich umso beliebter, wenn sie solche Tests anbieten, die sog. „Employer Brand“ (von engl. „Arbeitgebermarke“) wird also attraktiver empfunden. Welcher Branche ein Unternehmen angehört, ist hierbei zunächst irrelevant, da sich für nahezu jede Tätigkeit und jedes Unternehmen passende Spiele entwickeln lassen. Allerdings ist gerade diese Entwicklung ein nichtunerheblicher Kostenaufwand, der sich erst bei einem gewissen Bewerber-Aufkommen rechnet und somit gerade kleinere Unternehmen mit vergleichsweise geringem Personalbedarf weitestgehend ausschließt. Hier ist ein mehr standardmäßiger Auswahlprozess in den meisten Fällen sinnvoller. Ausnahmen können hier sein, wenn sehr spezielle Berufsprofile mit sehr konkreten Anforderungen an Eigenschaften und Fähigkeiten der Bewerber recruitet werden sollen – hier scheuen oft auch kleinere Unternehmen keine größeren Investitionen in solche Technologien und Konzepte, wenn dafür die Besetzung der vakanten Stelle einen adäquaten (wirtschaftlichen) Mehrwert mit sich bringt.

Welche Altersklasse lässt sich auf Recruiting-Spiele ein?

Diese Art des Auswahlverfahrens spricht vor allem die jungen Generationen Y und Z an. Wenn Unternehmen neue Mitarbeiter suchen, dann sollte heutzutage das digital Recruitment ohnehin an erster Stelle stehen. Wenn der Bewerbungsprozess dann auch noch spielerisch gestaltet wird und Spaß macht, dann lockt dies viele junge Nachwuchstalente an. Beliebt sind solche Online Games zur Bewerberauswahl also vor allem bei der Generation, die mit dem Smartphone aufgewachsen ist. Ältere Generationen springen weniger auf solche Auswahlverfahren an und nehmen das Unternehmen sogar skeptischer wahr, da ihnen der Nutzen von Online Recruiting nicht unbedingt klar ist. Auch Befragungen unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen haben ergeben, dass Unternehmen, deren Bewerbungsprozess mithilfe von Online Games unterstützt wird, in diesen Altersgruppen insgesamt positiver wahrgenommen werden.

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